Welche Krankheiten führen zur Berufsunfähigkeit?

Welche Krankheiten zur Berufsunfähigkeit führen, lässt sich pauschal nicht benennen.Es kommt immer darauf an, wie schwer die Krankheit oder Erkrankung ist und wie sehr sich die daraus ergebende Einschränkung individuell auf die berufliche Tätigkeit auswirkt.

Krankheiten Berufsunfähigkeit

Welche Krankheiten führen zur Berufsunfähigkeit? Ich prüfe Ihren Fall. Rufen Sie mich an unter 02 51 / 4 24 83 oder schreiben Sie eine Nachricht an neeb@kanzleien-am-hohenzollernring.de.

Nicht jede Erkrankung wirkt sich in jedem Beruf gleich aus. Und nicht jeder Krankheitsverlauf ist gleich.

In diesem Beitrag informiert Rechtsanwalt und Fachanwalt für Versicherungsrecht Matthias Neeb darüber, wann eine Berufsunfähigkeit vorliegt, welche Krankheiten wann eine BU-Rente rechtfertigen können und ob es eine Liste von BU-Krankheiten überhaupt geben kann.

Inhalt:

1. Was wird bei einer Berufsunfähigkeit geprüft?

In den Versicherungsbedingungen der jeweilig abgeschlossenen BU-Versicherung ist festgelegt, ab wann man als Versicherter die Versicherungsleistung, meist die BU-Rente, bekommt. Der Grad der Berufsunfähigkeit muss häufig mindestens 50% betragen. Dies kann z.B. dann vorliegen, wenn man seinen ausgeübten Beruf oder seine ausgeübte berufliche Tätigkeit nicht mehr für 8 Stunden am Tag ausüben kann, sondern nur noch für 4 Stunden oder weniger.

Die Versicherung prüft bei einem Antrag auf BU-Rente das Vorliegen des vereinbarungsgemäßen Grades der Berufsunfähigkeit bzw. inwieweit eine medizinische Einschränkung daran hindert, der ausgeübten Tätigkeit noch tagtäglich nachgehen zu können. Dabei kommt es auf den Einzelfall an. Es gibt aber keine allgemeingültigen Regelungen, wie etwa eine bestimmte Krankheit oder eine Liste von Krankheiten, die besagen, wann eine Berufsunfähigkeit vorliegt.

Auswirkung der Einschränkung ausschlaggebend

Ob man individuell berufsunfähig ist, kommt auf die medizinische Einschränkung konkret an und wie diese sich auswirkt. Darüber hinaus kommt es darauf an, welcher beruflichen Tätigkeit man nachgeht. Während bestimmte medizinische Einschränkungen für bestimmte Berufe keine großartige Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit haben, kann dies in einem anderen Beruf bedeuten, dass man nicht mehr arbeiten kann und berufsunfähig ist.

Dazu zwei Beispiele:

  1. Wenn ein Dachdecker vom Dach fällt und danach von der Hüfte ab gelähmt ist, kann er nicht mehr auf das Dach steigen und seine berufliche Tätigkeit verrichten. Bei einem kaufmännischen Angestellten, der den ganzen Tag eine sitzende Tätigkeit verrichtet, ist dies jedoch völlig anders zu bewerten.
  2. Bei einem Berufspiloten kann die Berufsunfähigkeit bereits durch wenig gravierende medizinische Einschränkungen eingeschränkt sein. Eine Diabetes-Erkrankung oder eine Augenkrankheit führen z.B. dazu, dass der Berufspilot sein Flugtauglichkeitszeugnis nicht erneuern und deshalb dauerhaft nicht mehr fliegen kann. Auch dann liegt, wenn dies in speziellen BU-Versicherungen inkludiert war, eine Berufsunfähigkeit vor, obwohl der Berufspilot in sehr vielen anderen Berufen noch arbeiten könnte.

Für die Bewertung kommt es deshalb ausschließlich individuell darauf an, welche Erkrankung oder medizinische Einschränkung vorliegt, welche Tätigkeit ausgeübt wird und wie sich die Einschränkung auf die Tätigkeit auswirkt. Aus diesem Grund kann es auch keine medizinische Diagnose „berufsunfähig“ geben, da es auf die individuellen Umstände ankommt.

2. Was muss ich tun, um eine Berufsunfähigkeitsrente zu bekommen?

Wenn man in seinem Beruf aus medizinischen Gründen nicht mehr arbeiten kann und eine Berufsunfähigkeit vermutet, muss man dies der BU-Versicherung mitteilen, wenn man diese abgeschlossen hat. Hierfür werden Fragebögen durch die Versicherung bereitgestellt, in denen man als Versicherter angeben muss, welche medizinische Einschränkung vorliegt und welche berufliche Tätigkeit man ausgeübt hat.

Zusätzlich zu dem Fragebogen müssen aussagekräftige medizinische Unterlagen dem Antrag auf BU-Rente beigefügt werden, die das individuelle Ausmaß der Einschränkung im Bezug zur Berufsunfähigkeit belegen können. Doch hier drohen oft schon die ersten Stolpersteine bei der BU-Rente. Häufig wird bei der Beantwortung untertrieben oder übertrieben, was die Auswirkungen der Erkrankungen oder Einschränkungen anbetrifft.

Fragebogen zur BU-Beantragung kann Stolperstein darstellen

Auch können die gemachten Angaben in dem Fragebogen und die medizinischen Unterlagen nicht passgenau die Berufsunfähigkeit belegen. Für die Versicherung kann sich zeigen, dass die Angaben und Unterlagen unplausibel sind. Hier sollte man schon früh die Hilfe eines fachkundigen Rechtsanwalts oder Fachanwalts für Versicherungsrecht aufsuchen.

Dieser kann gemeinsam mit dem Versicherten geeignete medizinische Unterlagen heraussuchen oder weitere Unterlagen anfordern, damit es nicht schon im Vorfeld zu Problemen mit der Versicherung kommt oder die BU-Rente von vornherein abgelehnt wird.

3. Wer stellt fest, ob man berufsunfähig ist?

Die erste Feststellung, ob man berufsunfähig ist oder nicht, stellt meist der Hausarzt oder einer der behandelnden Fachärzte. Die medizinischen Unterlagen des Hausarztes oder von behandelnden (Fach)-Ärzten werden dann dem Fragebogen zur Antragstellung der BU-Rente beigefügt.

Die Versicherung prüft diese Unterlagen und fordert eventuell bei der Krankenkasse, Krankenhäusern oder Ärzten weitere Unterlagen an. Außerdem kann die Versicherung eine Begutachtung durch einen medizinischen Gutachter anordnen. Die Kosten hierfür trägt die Versicherung. Als Versicherter sollte man einen solchen Termin bei einem medizinischen Gutachter auch wahrnehmen, da die Versicherung sonst zumeist die BU-Rente ablehnen wird.

4. Was sind die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit?

Bei der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es keinen Katalog von Krankheiten oder Erkrankungen, die immer und ausnahmslos zu einer Anerkennung der Berufsunfähigkeit und Zahlung der vereinbarten BU-Rente führen. Es gibt zwar Listen von Berufskrankheiten, die haben jedoch bei der BU-Rente keine Relevanz.

Liste der Berufskrankheiten für die BU-Versicherung nicht maßgeblich

Bei Listen von Berufskrankheiten handelt es sich um solche anerkannten Krankheiten, die nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft vor allem die Arbeitnehmer treffen, die bestimmten Einwirkungen durch ihre berufliche Tätigkeit ausgesetzt sind.

Dazu einige Beispiele:

  • Wer oft in der Nähe von lauten Geräuschen arbeitet, kann schwerhörig werden.
  • Bei der Arbeit mit Stäuben, wie Asbest oder Silikose, kann es zu Lungenkrankheiten kommen.
  • Bei Bäckern und Frisören kann es durch Kontakt mit Berufsstoffen zu Hautkrankheiten und Allergien kommen (z.B. Friseurekzem, Bäckerekzem, Mehlstauballergie).

Doch die Liste der Berufskrankheiten spielt nur im Recht der gesetzlichen Unfallversicherung eine Rolle. Obwohl eine gewisse begriffliche Nähe zur Berufsunfähigkeit gegeben ist und auch durch Berufskrankheiten eine Berufsunfähigkeit ausgelöst werden kann, hat die Liste der Berufskrankheiten für die BU-Versicherung keine Bedeutung.

BU-Versicherung: Einzelfall und Einschränkungen sind entscheidend!

In der BU-Versicherung und bei der Beurteilung, ob eine Berufsunfähigkeit vorliegt, gilt ausschließlich, in wieweit eine Erkrankung, Krankheit, Unfallfolgen oder ein das übliche Maß übersteigender Kräfteverfall die Fähigkeit seinen Beruf auszuüben einschränken. Es kommt daher nicht auf die Krankheit an sich an, oder, dass eine bestimmte Krankheit vorliegt, sondern nur, wie diese sich auswirkt.

Deshalb kann es für die Beurteilung der Berufsunfähigkeit auch keine Liste von Krankheiten geben. Allerdings kann man Krankheiten und Erkrankungen erkennen, die in vielen Fällen zu einer Anerkennung der Berufsunfähigkeit führen, wenngleich dies auch bei Vorliegen solcher Krankheiten kein Automatismus ist.

Psychische Krankheiten sind Hauptursache für Berufsunfähigkeit

Durch die Vielzahl der bewilligten BU-Renten lässt sich jedoch erkennen, welche Krankheiten oder Erkrankungen am häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit sind. Das Analysehauses Morgen&Morgen stellt Zahlen zur Verfügung, aus denen sich die häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit ableiten lassen (Ursachen für eine Berufsunfähigkeit, Stand 04/2022). Danach gehören zu den häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit:

  • Psychische Leiden und Nervenkrankheiten
  • Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparat
  • Krebs und bösartige Geschwülste
  • Unfälle
  • Erkrankung des Herzens und des Gefäßsystems
  • Sonstige Erkrankungen

Den höchsten Anteil haben hier die psychischen Erkrankungen mit 33,51% sowie die Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats mit 20.05%, gefolgt von Krebs und bösartigen Geschwülsten mit 17,42%. Unfälle machen mit lediglich 7,77% einen eher geringen Anteil an den Ursachen für eine Berufsunfähigkeit aus.

5. Welche psychischen Erkrankungen führen zur Berufsunfähigkeit?

Psychische Erkrankungen können ebenso Ursache für eine Berufsunfähigkeit sein. Auch bei psychischen Erkrankungen kommt es darauf an, wie schwer der Krankheitsverlauf ist und wie sehr die Erkrankung die Fähigkeit, einen Beruf auszuüben beeinträchtigt. Die Hauptursache für eine Berufsunfähigkeit sind in der heutigen Zeit psychische Erkrankungen.

Beispiele für Krankheiten, die zu einer Berufsunfähigkeit führen können, sind:

  • Depression
  • Burnout
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Bipolare Störung
  • Angststörung
  • Borderline-Syndrom
  • Neurosen
  • Panikstörung
  • Zwangsstörungen

Zum Nachweis der Berufsunfähigkeit empfiehlt es sich, die Auswirkungen der psychischen Erkrankung auf das berufliche Leistungsvermögen durch den behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten bescheinigen zu lassen.

Bildquellennachweis: © PantherMedia / Goodluz

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Für mich als Fachanwalt für Versicherungsrecht stehen alle rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit Versicherungen im Vordergrund.

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