Long Covid Berufsunfähigkeit: Wann zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?
Die Corona-Pandemie steckt uns allen noch immer in den Knochen. Jeder war mehr oder weniger direkt oder indirekt von den Auswirkungen betroffen. Doch was passiert, wenn die Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung zu einer Berufsunfähigkeit führen?

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Zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung auch bei Long Covid oder dem Post Covid Syndrom? Und welche Möglichkeiten haben Betroffene, wenn der Versicherer die Leistungen verweigert? Matthias Neeb, Fachanwalt für Versicherungsrecht, berät und vertritt Versicherungsnehmer bundesweit bei Streitigkeiten mit der Berufsunfähigkeitsversicherung.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wann eine Berufsunfähigkeit wegen Long Covid vorliegen kann und wie Sie Ihre Ansprüche erfolgreich durchsetzen.
Inhalt:
1. Was ist Long Covid?
Long Covid und das Post Covid Syndrom bezeichnen gesundheitliche Beschwerden, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) fortbestehen oder neu auftreten können. Von einem Post Covid Syndrom spricht man in der Regel, wenn Symptome länger als vier Wochen nach der Covid-19-Erkrankung anhalten. Eine Long Covid Erkrankung liegt vor, wenn die Beschwerden auch nach zwölf Wochen oder länger bestehen und sich nicht durch andere Ursachen erklären lassen.
Die Symptome des Long Covid Syndroms sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich ausfallen. Häufig treten folgende Beschwerden auf:
- Erschöpfung und starke Müdigkeit (Fatigue)
- Atembeschwerden und Kurzatmigkeit
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen („Brain Fog“ oder „Covid-Gehirn“)
- Langzeitfolgen an Organen, insbesondere an Lunge oder Herz
- Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken
Zu den möglichen Spätfolgen einer Corona-Infektion gehören außerdem das Fatigue-Syndrom sowie die Myalgische Enzephalomyelitis (ME/CFS). Diese Krankheitsbilder gehen weit über eine normale Erschöpfung hinaus und können die Arbeitsfähigkeit erheblich einschränken. Betroffene leiden häufig unter Gelenk- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Gedächtnisproblemen oder einer erhöhten Reizempfindlichkeit. In schweren Fällen kann das Long Covid Syndrom sogar zu einer Berufsunfähigkeit führen.
2. Long Covid: Wann liegt eine Berufsunfähigkeit vor?
Eine Berufsunfähigkeit wegen Long Covid liegt grundsätzlich unter denselben Voraussetzungen vor wie bei anderen körperlichen oder psychischen Erkrankungen. Entscheidend ist nicht die Diagnose des Long Covid Syndroms allein, sondern die Frage, wie stark die Beschwerden Ihre berufliche Tätigkeit beeinträchtigen.
Nach den Bedingungen der meisten Berufsunfähigkeitsversicherungen liegt eine Berufsunfähigkeit vor, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aufgrund einer Erkrankung voraussichtlich für mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können.
Bei einer Long Covid Berufsunfähigkeit können insbesondere folgende Symptome und Langzeitfolgen relevant sein:
- anhaltende Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue)
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Atembeschwerden und eingeschränkte Belastbarkeit
- Depressionen, Angststörungen oder andere psychische Beschwerden
- Gelenk-, Muskel- oder Kopfschmerzen
- neurologische Einschränkungen und Reizempfindlichkeit
Ob tatsächlich eine Berufsunfähigkeit vorliegt, hängt jedoch immer vom konkreten Beruf und den individuellen Auswirkungen der Beschwerden ab. Während manche Betroffene trotz Long Covid weiter arbeiten können, kann die Arbeitsfähigkeit bei anderen so stark eingeschränkt sein, dass eine Berufsunfähigkeit wegen Long Covid anzunehmen ist.
3. Ist Long Covid von einer Berufsunfähigkeitsversicherung umfasst?
Ja, eine Long Covid Berufsunfähigkeit kann grundsätzlich vom Versicherungsschutz der Berufsunfähigkeitsversicherung umfasst sein. Die Berufsunfähigkeitsversicherung knüpft ihre Leistungen in der Regel nicht an eine bestimmte Krankheit, sondern daran, ob die versicherte Person ihren zuletzt ausgeübten Beruf aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr ausüben kann.
Führen die Beschwerden des Long Covid Syndroms dazu, dass Sie Ihren Beruf voraussichtlich für mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können, kann ein Anspruch auf die vereinbarte BU-Rente bestehen.
In der Praxis kommt es jedoch häufig zu Problemen bei der Anerkennung einer Berufsunfähigkeit wegen Long Covid. Versicherer stellen dabei beispielsweise infrage:
- die Diagnose des Long Covid oder Post Covid Syndroms,
- die Schwere der gesundheitlichen Einschränkungen,
- den Zusammenhang zwischen den Beschwerden und der Covid-19-Erkrankung,
- die Dauer der Einschränkungen oder
- das tatsächliche Ausmaß der Berufsunfähigkeit.
Eine pauschale Ablehnung der Leistungen ist jedoch nicht zulässig. Entscheidend sind stets die individuellen Beschwerden, die ärztliche Diagnose und die konkreten Auswirkungen der Long Covid Erkrankung auf Ihren Beruf.
4. Long Covid und BU: Welche Probleme können auftreten?
In der Praxis kommt es bei einer Long Covid Berufsunfähigkeit häufig zu Schwierigkeiten mit der Berufsunfähigkeitsversicherung. Ein Grund dafür ist, dass die Diagnose des Long Covid Syndroms oder des Post Covid Syndroms oftmals komplex ist. Die Beschwerden sind vielfältig und lassen sich nicht immer durch einzelne Untersuchungen eindeutig nachweisen. Stattdessen erfolgt die Diagnose häufig im Ausschlussverfahren.
Dabei sind Long Covid und Post Covid längst anerkannte Krankheitsbilder. Sie werden in der internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) unter den Codes U08.9, U09.9 und U10.9 erfasst. Dennoch werden Leistungsanträge von Betroffenen häufig kritisch geprüft.
Typische Streitpunkte sind:
- die Diagnose des Long Covid oder Post Covid Syndroms,
- die Schwere der Beschwerden,
- die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit,
- der Zusammenhang mit der Covid-19-Erkrankung,
- die Dauer der gesundheitlichen Einschränkungen.
Warum werden Long-Covid-Fälle von Versicherern häufig kritisch geprüft?
Häufig bezweifeln Versicherer, dass die Beschwerden tatsächlich zu einer Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent führen. Umso wichtiger sind aussagekräftige Berichte behandelnder Ärzte, Facharztgutachten und eine sorgfältige Dokumentation des Krankheitsverlaufs.
Zudem kann auch die Kombination mehrerer Beschwerden eine Berufsunfähigkeit wegen Long Covid begründen. Selbst wenn einzelne Symptome für sich betrachtet nicht schwerwiegend erscheinen, können sie in ihrer Gesamtheit dazu führen, dass der zuletzt ausgeübte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Dauer der Erkrankung. Da der Verlauf einer Long Covid Erkrankung individuell sehr unterschiedlich sein kann, stellen Versicherer die Prognose einer längerfristigen Einschränkung häufig infrage. Für die Durchsetzung von Ansprüchen auf BU-Rente oder andere Leistungen ist es daher entscheidend, die gesundheitlichen Einschränkungen und deren voraussichtliche Dauer durch ärztliche Unterlagen belegen zu können.
5. Was können Betroffene tun, wenn der Versicherer nicht leistet?
Haben Sie einen Antrag auf BU-Rente wegen Long Covid gestellt, sollten Sie Rückfragen der Berufsunfähigkeitsversicherung ernst nehmen und angeforderte Unterlagen vollständig einreichen. Viele Leistungsanträge scheitern bereits daran, dass Nachweise oder Formulare nicht rechtzeitig vorgelegt werden.
Bei einer Long Covid Berufsunfähigkeit stellen Versicherer häufig die Ursachen der Beschwerden infrage. Dabei geht es oft um die Frage, ob die Symptome tatsächlich auf die Corona-Infektion beziehungsweise eine Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) zurückzuführen sind und ob die gesundheitlichen Folgen zu einer Berufsunfähigkeit führen.
Wichtige Nachweise sind insbesondere:
- Facharztberichte und medizinische Gutachten
- Dokumentationen der Symptome und Beschwerden
- Unterlagen zum Verlauf der Long Covid Erkrankung
- Krankenhausberichte und Krankschreibungen
- Nachweise über die Einschränkungen im Beruf
Je besser die gesundheitlichen Folgen und die Auswirkungen auf Ihren Beruf dokumentiert sind, desto größer sind die Chancen, Ansprüche aus der Berufsunfähigkeitsversicherung erfolgreich durchzusetzen.
6. Wie ein Anwalt Ihnen zu Ihrem Recht verhelfen kann
Bei einer Long Covid Berufsunfähigkeit kommt es häufig auf die richtigen Nachweise an. Ich unterstütze Sie dabei, Ihre Ansprüche gegenüber der Berufsunfähigkeitsversicherung durchzusetzen und die erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen.
Wichtig sind insbesondere:
- Facharztberichte und medizinische Gutachten
- eine nachvollziehbare Dokumentation der Beschwerden und Symptome
- Nachweise über die Einschränkungen im Beruf
- Unterlagen zum Verlauf der Long Covid Erkrankung
Viele Betroffene fühlen sich durch den Leistungsantrag und die Rückfragen der Versicherer zusätzlich belastet. Wenn Sie wegen Long Covid oder eines Post Covid Syndroms Ihren Beruf voraussichtlich länger als sechs Monate nicht mehr zu mindestens 50 Prozent ausüben können, berate ich Sie gerne im Rahmen einer unverbindlichen Erstberatung.
7. Fazit
- Long Covid und das Post Covid Syndrom können auch Monate nach einer Covid-19-Erkrankung erhebliche Beschwerden verursachen.
- Führen die gesundheitlichen Einschränkungen dazu, dass Sie Ihren Beruf voraussichtlich für mindestens sechs Monate zu mehr als 50 Prozent nicht mehr ausüben können, kann eine Berufsunfähigkeit wegen Long Covid vorliegen.
- Grundsätzlich besteht auch bei einer Long Covid Berufsunfähigkeit Versicherungsschutz über die Berufsunfähigkeitsversicherung.
- In der Praxis kommt es jedoch häufig zu Streitigkeiten über die Diagnose, die Symptome und das Ausmaß der Berufsunfähigkeit.
- Mit den richtigen medizinischen Nachweisen lassen sich Ansprüche auf Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung häufig erfolgreich durchsetzen.
8. FAQ
1. Wann liegt eine Berufsunfähigkeit bei Long Covid vor?
Eine Berufsunfähigkeit bei Long Covid liegt vor, wenn die Erkrankung voraussichtlich mindestens 6 Monate lang zu mindestens 50 Prozent die Ausübung des Berufs unmöglich macht.
2. Zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung bei Long Covid?
Grundsätzlich kann Long Covid zu einer Berufsunfähigkeit führen und somit unter den Versicherungsschutz einer Berufsunfähigkeitsversicherung fallen. Allerdings kommt es häufig vor, dass Versicherer sich weigern, die BU-Rente zu zahlen.
3. Welche Probleme können bei der Anerkennung der Berufsunfähigkeit auftreten?
Versicherer bestreiten oft die körperliche Ursache der Symptome und zweifeln an der Schwere und Dauer der Erkrankung. Dies kann zu Ablehnungen führen, obwohl Long Covid bereits international anerkannt und als Krankheit in der ICD10 gefasst ist.
4. Was können Betroffene tun, wenn die Versicherung nicht leistet?
Betroffene sollten alle nötigen Formulare und Nachweise sorgfältig einreichen und sich bestenfalls bereits vor Antragstellung an einen spezialisierten Anwalt für Versicherungsrecht wenden.
5. Wie kann ein Anwalt für Versicherungsrecht bei der Durchsetzung helfen?
Ein erfahrener Anwalt unterstützt dabei, die notwendigen Beweise und Facharztberichte zu beschaffen, um eine Berufsunfähigkeit aufgrund von Long Covid zu dokumentieren. Auch bei rechtlichen Schritten gegen die Versicherung kann er beratend zur Seite stehen.
Bildquellennachweis: Parradee Kietsirikul | Canva.com
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Über den Autor: Matthias Neeb
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